Manche Menschen finden auf geradem Weg zu ihrer Berufung. Shankari nahm den Umweg — Straßentheater, Krankenzimmer, Yoga-Ashrams, Tonstudios — bevor sie bei der Mantra-Musik ankam. Heute ist sie Singer-Songwriterin, Yogalehrerin und Organisatorin des Yoga Vidya Music Festivals.
Im Gespräch mit Lumaya zeichnet sie den Weg nach, von ihren Jahren als Klinikclown bis zu dem Moment, in dem sie zum ersten Mal Mantras über ihre eigenen Melodien legte.
Von der Bühne zum heiligen Klang
Shankaris künstlerisches Leben begann lange vor den Mantras. Sie arbeitete im Straßentheater und verbrachte ein Jahrzehnt als Klinikclown, besuchte Patient:innen in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Sie leitete Clownskontakt e.V. und gab Workshops zu Humor in der Pflege für Eckart von Hirschhausens Stiftung Humor hilft heilen. Parallel dazu vertiefte sie ihre Yogapraxis und begann 2017 eine zweijährige Yogalehrausbildung bei Yoga Vidya. In dieser Zeit veröffentlichte sie auch ihr erstes Instrumentalalbum, fand aber keine passende Stimme für die Melodien. Nicht auf Deutsch, nicht auf Englisch. Nichts fühlte sich richtig an.
Dann versuchte sie es mit Mantras.
„Es war, als hätte sich eine Tür geöffnet“, sagt sie. „Die Mantras flossen über diese Melodien, als hätten sie immer schon dorthin gehört.“ Ihr erstes Mantra-Album entstand innerhalb weniger Wochen.
Mantras als Medizin
Mantras bewegten Shankari schon lange, bevor sie selbst welche sang. Auf Konzerten kamen ihr die Tränen, eine Öffnung, die sie sich nicht recht erklären konnte. Je mehr sie sich mit ihnen beschäftigte, desto klarer wurde der Mechanismus: Die Wiederholung erzeugt eine Resonanz, in der singenden Person und im Raum um sie herum.
Sie wählte gezielt Mantras mit heilsamen Bezügen, etwa Ra Ma Da Sa aus der Kundalini-Yoga-Tradition. Ihre gesamte Musik stimmt sie auf 432 Hz statt auf die übliche 440 Hz, eine Frequenz, die sie als natürlicher empfindet.
Die Rückmeldungen sind eindeutig: In Konzerten, Singkreisen und Yogastunden spüren Menschen ein Weichwerden, das Praktizierende oft als Herzöffnung beschreiben. Nicht, weil ihnen jemand sagt, sie sollten das fühlen, sondern weil der Klang Raum dafür schafft.
Humor heilt — Lehren aus den Klinikclown-Jahren
Zehn Jahre als Klinikclown haben Spuren hinterlassen. Shankari spricht nicht davon als einem abgeschlossenen Kapitel, sondern als einem Fundament, auf dem sie bis heute aufbaut.
Das Wichtigste, was sie aus dieser Zeit mitgenommen hat, ist Präsenz. Ein Klinikclown muss einen Raum in Sekunden lesen können und spüren, wann Verspieltheit passt und wann Stille. Diese Fähigkeit trägt sie auf die Bühne und auf die Matte. Wenn im Konzert etwas nicht ankommt, spricht sie es an. Wenn eine Yogastunde sich wenden muss, passt sie sich an.
Das zweite Geschenk der Clownerie ist die Fähigkeit zum Perspektivwechsel, das Fundament von Humor. „Eine der größten Lektionen für mich war: Es ist, wie es ist. Nimm den Moment an, wie er kommt. Das ist auch im Yoga ein Grundprinzip, in der Musik und darin, gemeinsame Räume zu gestalten.“
Authentizität statt Perfektion
Diese Annahme zieht sich auch durch ihre künstlerische Haltung. Shankari versteckt ihre Unvollkommenheiten bewusst nicht.
„Wenn ich mir erlaube, Fehler zu machen, nicht perfekt zu sein, gebe ich anderen die Erlaubnis, dasselbe zu tun“, erklärt sie. „Und das ist viel wichtiger, als alles richtig zu machen. Die Freude daran, drin zu sein, es gemeinsam zu erleben — das zählt mehr als Präzision.“
Es ist eine seltene Qualität: die Bereitschaft, sichtbar menschlich zu sein. Deshalb fühlen sich ihre Singkreise und Konzerte weniger wie Auftritte an, sondern wie gemeinsam erlebte Räume.
Wo Musik und Matte sich begegnen
Shankari unterrichtet außerdem Klangvolles Yoga, bei dem sie während der Stunde live spielt. Die Teilnehmenden entspannen tiefer, halten Haltungen länger und fühlen sich durch die Praxis getragen, wie es eine stille Stunde nicht bieten kann.
Die Musik ist kein Hintergrund. Sie ist in die Bewegung verwoben und reagiert auf den Raum. Wenn Musik und Atem zusammenfinden, wird die Praxis weniger anstrengend, tiefer. Hier laufen all ihre Fäden zusammen: Musikerin, Yogalehrerin und die intuitive Präsenz aus ihren Clownsjahren.
Vier Alben und es geht weiter
Shankaris Diskografie spiegelt ihre Entwicklung. Alles begann mit Bliss (2016), einem sanften, fließenden Instrumentalalbum. Dann kamen die Mantra-Alben: Mantras for Heart and Soul (2019), Mantras for the Aquarian Age (2020) und Mantras for Peace and Joy (2022).
Jedes Album brachte mehr Instrumente, mehr Textur, mehr Selbstvertrauen. Kontemplative Momente stehen neben solchen, die zum Tanzen einladen. Dance-Versionen einiger Mantras sind auf Streaming-Plattformen zu hören und wurden auf dem Experience Festival aufgeführt.
Ihr viertes Mantra-Album ist in Produktion und markiert eine neue Richtung: Zum ersten Mal mit Live-Bass und Schlagzeug. Jazzig, swingend, anders als alles, was sie bisher veröffentlicht hat.
Der Mut, die eigene Stimme zu finden
Gefragt, was sie jemandem sagen würde, der das Gefühl hat, nicht musikalisch genug zu sein, zögert Shankari nicht. Sie zitiert ein afrikanisches Sprichwort: „Wer sprechen kann, kann singen. Wer gehen kann, kann tanzen.“
Jeder Mensch sei musikalisch, sagt sie mit Nachdruck. Im Weg stehe nicht fehlendes Talent, sondern die Angst, gesehen, gehört oder bewertet zu werden. Viele tragen die Stimme eines Elternteils oder einer Lehrkraft in sich, die ihnen gesagt hat, sie könnten nicht singen. Diese Stimme lässt sich verlernen.
„Es geht nicht darum, Virtuos:in zu werden“, sagt sie. „Es geht darum, die eigene Stimme klingen zu lassen. Freude ist die Führung, nicht Perfektion. Und du kannst in jedem Alter anfangen.“
Ein Festival, das aus dem Herzen gebaut ist
Als Organisatorin des Yoga Vidya Music Festivals kuratiert Shankari nach einem Leitprinzip: Herz. Sie achtet auf musikalische Qualität, vor allem aber auf Künstler:innen, die spielen, weil sie etwas Echtes zu geben haben, nicht um auf einer Bühne zu stehen.
„Ich wähle Künstler:innen, bei denen ich spüre: Diese Person macht es mit ganzem Herzen. Die Energie, die Haltung, die Art, wie sie auftritt — das muss passen. Das Festival ist eine Art Gemeinschaft, und alle darin sollten diesen Geist tragen.“
Ihre Vision ist ein Festival mit Weite, aber ohne Abstriche bei der Aufrichtigkeit. Eine seltene Kombination in einer Welt, in der Festivals oft Spektakel über Substanz stellen.
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